Kunstwerk des „Regenbogen-Präludium“ an der Zeppelintribüne – Stellungnahme zur Entfernung


Fotos: Peter Kunz, Stefan Hippel und Andy Körber 2020


Unser Vereins-Vorsitzender Bastian hat hierzu heute folgendes Statement verfasst:


"Ich spreche hier nicht nur als Vorsitzender des Förderverein Christopher-Street-Day Nürnberg e.V., sondern auch als Steinmetz- und Steinbildhauermeister, staatl. geprüfter Steintechniker und geprüfter Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk.

Ich persönlich bin ein großer Anhänger der „Denkmal-Restaurierung und -Erhaltungs-Fraktion“ Reichsparteigelände Nürnberg. Der steingewordene Wahnsinn des NS-Regimes muss in seiner Dimension und seinem Ausmaß erhalten werden. Ohne diese steinernen Zeugen ist unseren nachfolgenden Generationen die Schreckensherrschaft und der Größenwahnsinn des NS-Regimes wohl nur kaum zu erklären. Ebenso wird mit einem kontrollierten Verfall auch in weniger als zwei Generationen nur noch ein undefinierbarer Steinhaufen ohne Eindruck zurückbleiben. Begreifen beinhaltet es schon im Wort – „greifen“: Man muss gewisse Dinge einfach greifen können. Wackelige Filmaufnahmen aus vergangen Zeiten sind hier nur ein ergänzendes, jedoch kein ersetzendes Mittel.

Immer als ich an diesem Ort war, bin ich (Neo-)Nazis an ihrer Pilgerstätte begegnet. Jede*r der sich dort mit offenen Augen bewegt, hat sicher ähnliches erlebt. Bei meinem letzten Besuch mit Gästen, hat sich eine Gruppe von rund zwanzig mehrheitlich männlichen Menschen mit eindeutigen Erkennungszeichen, freudestrahlend auf der „Führerkanzel“ zum Gruppenbild positioniert. Dies ist leider kein Einzelfall, sondern noch immer Alltag und der große Nachteil dieses Denkmals in Nürnberg.


Der geniale Kunstgriff des „Regenbogen-Präludium“ war, ist oder besser wäre DIE Chance Nürnbergs gewesen, sich zum einen zu seiner Geschichte zu bekennen und sich dennoch klar und für jede*n sichtbar von dieser zu distanzieren. Aussagestark, rein visuell und damit wortlos international verständlich. Der Ort wäre hiermit für immer für alle Anhänger dieser schrecklichen Ideologie entweiht. Szenen wie die oben beschriebenen gehörten wohl der Vergangenheit an. Nürnberg hätte es geschafft sich mit diesem Kunstwerk, seiner Botschaft und damit den Ort zukünftig für die ganze Welt sichtbar positiv zu positionieren. Das Kunstwerk wäre zukünftig von allen Besucher*innen über alle Medien weit in die Welt getragen werden und hätte die Steintribüne zum Pilgerort eines neuen positiven Statements der Stadt Nürnberg werden lassen.

Denkmalschutz versus Geschichtsbewältigung

Seit Kriegsende wird dieser Ort im Sinne des Denkmalschutzes mit Füßen getreten. Gleich zu Kriegsende wurden durch die Amerikaner verständlicherweise das Symbol der Nazis durch Sprengung feierlich entfernt. Hier hätte aber spätestens im rein denkmalrechtlichen Sinne ein Schlussstrich gezogen werden müssen. Damit war jedoch nicht Schluss. 1967 hat die Stadt Nürnberg, mit Sicherheit auch durch den Druck von außen, unter dem Vorwand der Baufälligkeit die beiden Kolonnadengänge des Gebäudes gesprengt. Auch danach hat die Stadt Nürnberg nichts in Folge dafür unternommen ihr „Denkmal“ zu pflegen, geschweige denn die, durch die Sprengungen verursachten Gesteinswunden, zu schließen. Die Folge war der Jahrzehnte andauernde beschleunigte Verfall des Gebäudes und des darin enthaltenen goldenen Saals. J