Im Vorfeld der Nürnberger Stadtratswahl haben wir die demokratischen Parteien gezielt angefragt, um offen queere Kandidat*innen sichtbar zu machen. Unser Ziel ist es, unsere Community nicht nur zur Wahl zu motivieren, sondern auch fundiert zu informieren. 15 Kandidierende haben sich auf unsere Anfrage zurückgemeldet – sie stellen wir euch nun in alphabetischer Reihenfolge vor.

Doch warum ist das überhaupt so wichtig?

1. Repräsentation ist demokratische Substanz, kein Symbol.
Queere Menschen sind Teil dieser Stadtgesellschaft. Eine vielfältige Stadt braucht ein Stadtparlament, das diese Vielfalt widerspiegelt. Politische Gremien gewinnen an Legitimität und Qualität, wenn unterschiedliche Lebensrealitäten dort real vertreten sind.

2. Betroffenenkompetenz schafft bessere Politik.
Wer Diskriminierung, Unsichtbarkeit oder strukturelle Hürden selbst erlebt hat, bringt eine andere Perspektive in politische Entscheidungsprozesse ein. Diese Erfahrungswerte sind kein „Nice-to-have“, sondern ein fachlich relevanter Beitrag zu sozialer, Bildungs-, Jugend-, Kultur- und Sicherheitspolitik.

3. Queerpolitik ist Querschnittspolitik.
Es geht nicht nur um CSD oder Regenbogenflaggen. Es geht um sichere Räume, Antidiskriminierungsarbeit, Bildung, Gesundheitsversorgung, Jugendangebote, Senior*innenarbeit, Stadtplanung und Verwaltungsstrukturen. Queere Perspektiven betreffen zahlreiche kommunale Handlungsfelder.

4. Sichtbarkeit stärkt Schutz und Prävention.
Gerade in Zeiten zunehmender queerfeindlicher Vorfälle ist politische Rückendeckung essenziell. Offen queere Mandatsträger*innen setzen sichtbare Zeichen für Akzeptanz und stehen für eine klare Haltung gegen Diskriminierung.

5. Verantwortung gegenüber der Community.
Eine starke, engagierte Wähler*innenbasis verdient Transparenz. Wir möchten euch ermöglichen, informierte Entscheidungen zu treffen – auf Basis von Haltung, Identität und politischer Positionierung.

Mit der Vorstellung der Kandidat*innen schaffen wir Transparenz, Sichtbarkeit und Orientierung. Demokratie lebt von Beteiligung – und von echter Repräsentation.

Statements

Mein Name ist Thia Bauer.

Ich kandidiere für die Partei die Linke

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, queere Interessen zu vertreten, damit Nürnberg lebenswert, liebenswert, sozial und bunt bleibt. 

Mein Name ist Christian Brandenstein.

Ich kandidiere für die Partei SPD. 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, dass die Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte bewahrt und verteidigt werden. Das können wir nur, wenn die demokratischen Parteien wieder stärker werden. Und das können wir nur, wenn die Zufriedenheit der Menschen mit der Politik wieder zunimmt. Das sehe ich als meinen Auftrag. 

Mein Name ist Claudia Hammerbacher.

Ich kandidiere für die Partei Bündnis 90 / Die Grünen

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, die Freiheit und Selbstbestimmung queerer Menschen nicht nur symbolisch zu bekennen, sondern strukturell abzusichern – damit jeder jederzeit angstfrei, sichtbar und selbstbestimmt leben kann – und das heißt für mich konkret: ganzjährige Sichtbarkeit statt punktueller Symbolpolitik im Pride Month, eine starke und gut finanzierte queere Jugendarbeit, niedrigschwellige Beratungs- und Krisenangebote insbesondere für junge Menschen, den Ausbau von Digital Streetwork, verlässliche und langfristige Förderung queerer Vereine und Initiativen sowie der Einsatz für ein medizinisches Versorgungszentrum für TINA-Personen – als Teil einer klar intersektional feministischen, gleichstellungsorientierten Kommunalpolitik, die FINTA*-Personen schützt, stärkt und strukturelle Diskriminierung aktiv abbaut.

Mein Name ist Evi Herzing alias eve massacre.

Ich kandidiere für die Liste politbande

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, nicht nur bloße Symbolpolitik und Regenbogenkapitalismus, sondern gelebte engagierte Solidarität. Für ein gutes Leben für jede*n von uns müssen wir uns für ein gutes Leben für alle einsetzen. Wir müssen uns für die unter uns stark machen, die die schwächsten Positionen in unserer Gesellschaft haben.

Für uns Queers heißt das zum Beispiel niedrigschwellig zugängliche Orte zu schaffen und langfristig finanziell zu sichern: Orte für Selbsthilfe/Austausch, professionelle Beratung und konkrete Hilfe, insbesondere für queere Geflüchtete, Opfer von anti-queeren Übergriffen und Gewalt, trans Personen und FLINTA*, mit Augenmerk auch auf Armutsbetroffenheit, Queer Pay Gap und medizinischer Versorgung – alles üble Diskriminierungsbereiche, und gerade in Sachen Armut und Abschiebung schlägt der Regler immer höher aus.

Eine solche vielschichtige Anlauf- und Austausch-Stelle könnte Teil eines neuen Konzepts für die Belegung des Kaufhofs in der Innenstadt sein. Ein solcher Ort im Herzen der Stadt, die sich so gerne selbst als Stadt der Menschenrechte feiert? Das wäre doch mehr als angebracht. Ein Traum von mir wäre auch, Nürnberg zur Sanctuary City oder Solidarity City zu machen, wie es z.B. unsere Partnerstadt Glasgow schon lange ist.

Ebenso ist mir die Stärkung einer Jugendarbeit ein Anliegen, die hilft, binäre und heteronormative Männlichkeitsbilder aufzubrechen, die für viele psychische Probleme, für eine Radikalisierung nach Rechts und für Sozialisierung zu Frauen-, Homo- und Transfeindlichkeit mitverantwortlich sind. Was derzeit ebenfalls stark angegriffen wird und wir verteidigen müssen, ist pädagogisch-wertvolle queer-inklusive Sexualaufklärung statt Jugendliche im Namen eines neuen Puritanismus bei dem Thema alleine zu lassen. Mehr Aufklärung, weniger Angst und Scham.

Und mein persönliches Anliegen, weil ich da die meiste gelebte Aktivismus-Erfahrung habe, steht in der schönen Nürnberger Tradition der Soziokultur. Nürnberg, die Stadt, die so lange den Mut zu einer Kultur von unten hatte: Die langfristige sichere Finanzierung und Gestaltung von Kulturorten, an denen sich (auch) Queers einbringen und mitgestalten können. Mein queeres und feministisches Engagement wäre ohne die Offenheit des ehrenamtlichen Kollektivs musikverein (Soft Spot, vorher Kantine und Zentralcafé) und dessen festen Platz als Freiraum und Teil des Künstl*hauses nicht möglich gewesen.

Dort habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Orte zu erhalten und langfristig mitprägen zu können, über denen nicht das drohende Damoklesschwert kommerzieller Zwänge, individueller Verantwortlichkeit und konservativer Einschränkungen über dir hängen, sondern ein relativer Freiraum geschaffen wird: Ein Ort, an dem langfristiges soziokulturelles Engagement in einem Kollektiv explizit gewollt und ermöglicht wird, weil es die Gesellschaft bereichert und an dem so angstfrei queere Sichtbarkeit und queeres Leben in Kultur- und Bildungsveranstaltungen stattfinden kann.

Ich wünsche mir, dass nicht alle dauernd nur um den Erhalt solcher Orte kämpfen müssen, sondern deren Wert langfristig anerkannt wird und sich statt im Kampf um Förderung und gegen Einschränkungen zerrieben zu werden, endlich einfach darauf konzentriert werden kann, solche Orte mit gemeinsamer Kulturarbeit, gelebter Demokratie von unten und mit anderen geteilten gefühlsgeladenen und Momenten des Kulturgenusses in einem saferen Space für alle zu beleben.

Mein Name ist Alexander Kahl.

Ich kandidiere für die Partei Bündnis 90/Die Grünen. 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, die aktive Umsetzung von Menschenrechten, Sicherheit, Akzeptanz und Teilhabe aller Nürnberger:innen. Queere Menschen sind ein wichtiger Teil der Nürnberger Stadtgesellschaft, bringen sich tagtäglich für Nürnberg ein und prägen unser Miteinander.

Deshalb ist es wichtig, dass queere Menschen im alltäglichen Leben und auch in der Stadtpolitik sichtbar sind. Denn – wie Uschi Unsinn immer sagte – schafft Sichtbarkeit Sicherheit. Und das ist in Zeiten steigender queerfeindlicher Anfeindungen und Gewalttaten wichtiger denn je! Als Stadtrat konnte ich in den vergangenen Jahren bereits mit der Umsetzung des „Regenbogenzebrastreifens“ am Königstor auch ein klares Zeichen für diese Sichtbarkeit setzen. In den kommenden Jahren möchte ich hierfür genauso wie für eine bessere finanzielle, räumliche und personelle Ausstattung der queeren (Jugend-) Arbeit kämpfen.

Mein Name ist Dieter Kastner.

Ich kandidiere für die Wählergemeinschaft Die Guten Nürnberg e.V. 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, Menschenfreund zu sein.

Mein Name ist Benjamin Mair.

Ich kandidiere für die Partei CSU.

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik,Sichtbarkeit und Sicherheit in Schule, Bildung und Ausbildung.

Mein Name ist Sandra Manthey.

Ich kandidiere für die Partei SPD. 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, ohne Angst oder Scham sich selbst kennenlernen zu dürfen. Dies gilt zwar für jedes Alter, ist aber besonders in jungen Jahren von großer Bedeutung. Daher möchte ich mich vor allem durch Aufklärung und Unterstützungsangebote dafür einsetzen, dass junge Menschen in Nürnberg wertfrei Fragen stellen und ihre Gedanken teilen können. Ich möchte, dass wer queer ist, dies von Anfang an selbstbewusst und vorurteilsfrei sein kann. 

Mein Name ist Stephan Mitesser.

Ich kandidiere für die ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei). 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, weit mehr als nur die Vertretung einer Teilgruppe; sie ist ein wesentlicher Baustein für eine lebendige, resiliente und am Gemeinwohl orientierte Stadtgesellschaft.

In meiner täglichen Arbeit beim Lebenshilfe-Landesverband Bayern sehe ich, dass Inklusion dort gelingt, wo wir den Fokus vom äußeren Erscheinungsbild oder der Orientierung weglenken und stattdessen das charakterliche Wesen und die individuellen Fähigkeiten eines Menschen in den Mittelpunkt stellen. In einer Zeit, in der unsere Demokratie unter Druck steht, brauchen wir authentische Geister, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – egal in welchem Beziehungs- oder Familienmodell sie leben.

Für Nürnberg möchte ich erreichen, dass wir die Kraft alternativer Lebensentwürfe nicht nur tolerieren, sondern als sozialen Reichtum begreifen. Queerpolitik bedeutet für mich, strukturelle Hürden abzubauen – sei es bei bürokratischen Prozessen oder in der Sichtbarkeit im öffentlichen Raum – und eine politische Kultur des gegenseitigen Respekts und der Solidarität zu pflegen. Mein Ziel ist ein Nürnberg, in dem Vielfalt keine Nische ist, sondern die Basis für ein starkes Miteinander bildet.

Mein Name ist Klàdï Ciel Héloïse Roese.

Ich kandidiere für die Wähler*innengemeinschaft LINKE LISTE Nürnberg. 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, Sichtbarmachung und Stärkung der Vielfalt in der Stadtgesellschaft – Die Stadt gehört uns allen!

Mein Name ist Nina Siebert.

Ich kandidiere für die Liste politbande.

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, gerade jetzt wo rechte Politik Menschen überall existenziell bedroht, unsere über Generationen erkämpften Rechte und unsere Sichtbarkeit gemeinsam zu verteidigen. Das schaffen wir nur mit Bildungspolitik, die die lokale Zivilgesellschaft als relevante Akteur*innen ernst nimmt und fördert. 

Mein Name ist Thorben Starke.

Ich kandidiere für die Partei SPD. 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, errungene Rechte nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern sie entschlossen zu verteidigen, wenn sie unter Druck geraten – und Schutz, Sichtbarkeit und Teilhabe konkret zu stärken. Ich lebe mit meinem Mann in Nürnberg – offen und selbstverständlich. Jede*r soll die Möglichkeit haben, frei und selbstbestimmt zu leben. Im Stadtrat will ich klare Haltung gegen Diskriminierung zeigen und Vielfalt aktiv schützen.

Mein Name ist Matti Stockmann.

Ich kandidiere für Bündnis 90 / Die Grünen für den Stadtrat auf Platz 26. 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, schon immer mein Herzensthema: Aus eigener Betroffenheit und der Nächstenliebe zu meinem queeren Umfeld. 

Insbesondere das Thema queere Gesundheit und das Thema Sicherheit beschäftigt mich in letzter Zeit verstärkt. 

Ich unterstütze aktiv die Forderung nach einem medizinischen Versorgungszentrum für TINA*-Personen und habe gemeinsam mit Fliederlich e.V. einen Gesundheitszirkel zu diesem Thema ins Leben gerufen. 

Immer wieder erreichen mich leider auch Berichte über Diskriminierung bei der Polizei, Ärzt*innen oder anderen Autoritätspersonen. Ich möchte alles für eine buntere Stadt tun, was eine Kommune tun kann: Sichere Orte schaffen; das Ordnungsamt, die städtischen Lehrkräfte und Klinikum-Angestellten verpflichtend fortbilden und mit der Polizei in engeren Austausch gehen, um diskriminierende Strukturen aufzulösen. 

Das Thema Queer ist ein Que(e)rschnittsthema und betrifft alle Lebensbereiche. Deshalb setze ich mich auch in den Bereichen Kultur, Bildung, Tourismus, Teilhabe und Integration für eine intersektionale, queerfeministische Politik ein. 

Für ein Nürnberg, in dem sich alle wohl und sicher fühlen! 

Mein Name ist Andii Meret Weber (dey/keine/sie).

Ich kandidiere für die Liste politbande. 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, mehr, als nur Akzeptanz für trans und nicht-heterosexuelle Menschen zu fordern. Sie bedeutet, gesellschaftliche Konventionen und patriarchale Strukturen und Erwartungen zu hinterfragen und sich intersektional für Gerechtigkeit einzusetzen. Queere Politik sollte alle Lebens- und Politikbereiche mitdenken, weil unsere Lebensrealität überall relevant ist.

Mein Name ist Karsten Wehner.

Ich kandidiere für die PIRATEN & Humanisten. 

Ich bin Teil der Nürnberger queeren Community und für mich bedeutet Queerpolitik, dass wir mit allen anderen nett und freundlich umgehen. Ich befürworte eine bessere Inklusion queerer Menschen und möchte mehr Sicherheit für uns alle schaffen.